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Ramadan auf Sansibar
Ramadan auf Sansibar

Ramadan auf Sansibar

Etwa 95 bis 98 Prozent der 1,3 Millionen Bewohner von Sansibar sind Muslime. Die Mehrheit bekennt sich zum Islam. Ein fester Bestandteil des muslimischen Lebens ist der Ramadan. Verglichen mit dem Sonnenkalender, den wir unter anderem in Europa nutzen, verwenden die Muslime einen reinen Mondkalender. Der Ramadan ist der neunte Monat im muslimischen Mondkalender. Dieser verschiebt sich jedes Jahr um 10 oder 11 Tage nach vorne, folglich ist der Ramadan mit den Jahren zu jeder Jahreszeit vertreten, nur eben jedes Jahr zu einer anderen Zeit. In diesem Jahr erstreckte sich der Ramadan von Anfang Juni bis Anfang Juli. Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort „ramadan“ soviel wie „Trockenheit“ und beschreibt damit wahrscheinlich was es heißt, wenn man bei sehr hohen Temperaturen kein Wasser zu sich nehmen darf. Denn während des Ramadan dürfen tagsüber weder Getränke noch Speisen zu sich genommen werden. Anders als das Fasten im christlichen Glauben wird im Islam das Fasten jeden Abend gebrochen. Sobald die Sonne untergegangen ist, darf gegessen werden – „Futari“ nennt sich das Fastenmahl. Der Muezzin ruft, wenn es soweit ist. Ebenso verhält es sich am Morgen. Nach dem sogenannten „Daku“ vor Sonnenaufgang dürfen die Menschen erst wieder etwas zu sich nehmen, wenn die Sonne untergegangen ist. Darüber hinaus sollen sie sich den kompletten Monat über von jeglicher Sünde freihalten und von Abhängigkeiten lossagen, denn das Fasten, so sagt man, fördert die Selbstbeherrschung sowie die Konzentration auf das Wesentliche und vergrößert die Widerstandskraft. In der Regel sollen alle Gläubigen an allen Bestandteilen des Ramadan teilnehmen. Einige Personengruppen sind jedoch davon ausgenommen bzw. beteiligen sich nur eingeschränkt. So verhält es sich beispielsweise bei Kranken, altersschwächeren Personen, Schwangeren oder stillenden Frauen sowie Frauen in der Menstruation. Auch Kinder müssen nicht den kompletten Monat über fasten, sollen sich aber langsam dran gewöhnen, denn ab der Pubertät beginnt auch die Mündigkeit im Islam. Gebetet wird insgesamt fünf Mal am Tag. Um 4:30 a.m. wird das erste Mal zum Gebet gerufen. Tagsüber wird noch einmal um 12:30 p.m. gebetet. Um 6:30 p.m. wird das Fasten nach einem kurzen Gebet beendet. Das letzte Gebet des Tages erfolgt gegen 8:00 p.m., das dann auch gut bis zu zwei Stunden lang sein kann.

Als Nicht-Muslimin wurde von mir natürlich nicht erwartet, dass ich das tagtägliche Fasten mitmache, auch wenn ich jeden Tag gefragt wurde, ob ich heute gefastet habe. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich es an keinem Tag komplett gemacht habe. Auf das Essen tagsüber konnte ich gut verzichten und allein schon aus dem Grund, dass ich nichts essen durfte, während ich unterwegs war, hat dazu geführt, dass ich automatisch weniger gegessen habe, aber auf die Zunahme von Wasser konnte und wollte ich nicht verzichten. Allgemein ist es ohnehin schwer während der Fastenzeit in Stone Town an Essen zu kommen. Klar, der große Markt und einige kleine Läden („dukas“) haben geöffnet, aber die lokalen Restaurants und Cafés haben in der Regel geschlossen. Einzig ein paar touristische Lokale sind offen, jedoch sind die Fenster oder Balkone mit Stoffen zugehängt, sodass Vorbeilaufende nicht unbedingt sehen, dass hier gegessen und getrunken wird. Da man als Reisender oder Tourist laut Koran vom Ramadan ausgeschlossen ist, darf man in den Straßen Stone Towns an sich auch eigentlich einen Schluck Wasser oder einen Snack zu sich nehmen, jedoch sollte man dies aus Gründen des Respekts vielleicht eher vermeiden oder darauf achten, dies in einem geschlossenen Raum oder unbeobachteten Moment tun. Alkohol sollte man schon gar nicht auf öffentlicher Straße trinken, aber es ist auch eher schwierig an Bier und Co. zu gelangen (abgesehen von touristischen Restaurants natürlich).

Ramadan auf Sansibar
Ramadan auf Sansibar

Ramadan auf Sansibar

Auch mit der Kleidung verhält es sich zu der Zeit etwas anders und man sollte sich evtl. etwas ‚konservativer‘ kleiden. Die Arme müssen als Nicht-Muslimin nicht komplett bedeckt sein, aber auf jeden Fall sollten weder Schultern noch Knie sichtbar sein – wobei ich mich so auch schon das ganze Jahr über kleide. Als Frau wird auch erwartet, dass man seine Haare bedeckt. In Stone Town ist dies kein Muss, aber in den ländlichen Gegenden und in meiner Nachbarschaft wird dies sehr gern gesehen. Die ersten 2,5 Wochen des Fastenmonats habe ich dies auch gemacht, aber ab dann wurde ich immer nachlässiger. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich der ganzen „Verhüllungs-Thematik“ sehr kritisch gegenüber stehe. Auf meine sichtbaren Haare wurde ich aber auch zu keiner Zeit angesprochen oder blöd angemacht und habe mich nie unwohl gefühlt.
In Bezug auf das Essen, das abends zubereitet und serviert wird, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Diesbezüglich kann der Ramadan von mir aus sehr gerne das ganze Jahr über andauern; ich glaube der Satz fasst es ganz gut zusammen. Das Essen, das ich jeden Abend während des Fastenbrechens genießen durfte, war einfach nur köstlich. In meiner Gastfamilie gab es auch eine sehr große Abwechslung, sodass wir fast jeden Tag etwas anderes zu Essen hatten. Jeden Abend wird mit der gesamten Familie gemeinsam gegessen, was sonst nicht unbedingt der Fall ist. Die Atmosphäre, wenn alle zusammen auf dem Teppich auf dem Boden sitzen und gemeinsam essen, fand ich persönlich besonders schön. Auf dem Teppich verteilt standen dann immer viele kleine Töpfe und Schälchen mit den verschiedensten Dingen und es gab folglich immer irgendetwas, das ich mochte. Und was mir persönlich besonders entgegen kam war, dass es jeden Abend Salat gab. Die Abwechslung des Essens über den Rest des Jahres lässt nämlich eher zu wünschen übrig, denn im Großen und Ganzen gibt es sonst jeden Tag Reis mit irgendeiner Soße und immer mal wieder Fisch.

Oft hört man ja das Gerücht, dass es während des Ramadan in muslimischen Ländern sehr gefährlich sei. Das kann ich persönlich absolut nicht bestätigen. Ich hatte eher das Gefühl, dass die Menschen sehr freundlich waren und eine innere Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlten. Ich weiß nicht, ob ich so ruhig sein könnte, wenn ich tagsüber nichts zu mir nehmen dürfte – wenn ich Hunger habe, bin ich eher maulig und knatschig. Aber ich denke, das hat viel mit der Religion und der Nähe zu Allah, die die Menschen hier dann vermutlich empfinden, zu tun. Es gibt mit Sicherheit Länder, in denen man vorsichtig sein sollte, wie man sich bewegt. Wie schon gesagt hat es dann aber denke ich auch viel mit einem selber zu tun und der Art und Weise, wie man sich verhält. Und natürlich gibt es überall auf der Welt Menschen, die es nicht nachvollziehen können, dass es Menschen gibt, die einer anderen Religion zugehörig sind und sich dementsprechend verhalten und nicht an die Religion des jeweiligen Landes, in dem man sich gerade aufhält, anpasst. Im Großen und Ganzen kann man potenziellem Ärger jedoch aus dem Weg gehen, indem man sich an einige Grundregeln (z.B. Kleidung) hält. Und dann kann der Ramadan auch für Nicht-Muslime zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.